Selbstmitleid überwinden: endlich frei sein

Schon wieder ich.

Warum passiert das immer nur mir?

Was habe ich verbrochen, dass ich sowas verdient habe?

Manches Mal ist die Welt tatsächlich unfair.

Du hast dich vorbereitet, deine Aufgaben erledigt, monatelang Affirmationen runtergebetet – und doch: Es klappt nicht. Deine Präsentation vor dem wichtigen Kunden war nicht so überzeugend, wie in deinen kühnsten Träumen, obwohl du so viel dafür getan hast.

Zu Hause schätzt man dein Engagement genauso wenig und zu guter Letzt erfährst du auf Facebook von den Erfolgen der Kollegenschaft. Selbstredend können die keinesfalls mehr als du, eher weniger.

Mit einem Wort: eine Runde Selbstmitleid ist angesagt.

Ist das schlimm? Nein!

Eine Runde Selbstmitleid reinigt die Seele und Tränen spülen Stresshormone aus dem Körper.

Doof ist es nur, wenn Selbstmitleid eine Gewohnheit wird, dann setzt sich die Abwärtsspirale in Gang und das Leben wird freudlos, wenig inspirierend und grottenlangweilig.

Wovon dich Selbstmitleid abhält

Selbstmitleid breitet sich in deinem Sein und Tun aus, es lähmt dich, sorgt dafür, dass du in deinem Leben unbeweglich bleibst wie eine Schildkröte, die auf dem Rücken zu liegen kam. Du badest in den Gründen, warum irgendetwas nicht geht (habe kein Studium, die Kinder behindern mich, wer bin ich denn, etc.)  Eigentlich sind die anderen an der Misere schuld.

Selbstmitleid ist für die Seele Gift.

Menschen, die sich auf Dauer dem Selbstmitleid hingeben, verlieren Freunde oder haben nur noch „ Freunde“, die ebenfalls gerne jammern. Es ist so als würden die Selbstmitleider langsam und stetig im Morast versinken – da hat auch Münchhausen keine Chance mehr, sie am Schopf herauszuziehen.

Die Folgen von Selbstmitleid

Was passiert, wenn du dein Selbstmitleid behältst?

Du entscheidest, was du loslassen möchtest. Und nein, es ist nicht immer leicht, das behauptet niemand. Doch was geschehen ist, ist geschehen und du machst dir selbst den größten Gefallen, es so gut wie möglich abzuschließen.

Doch werfen wir einen Blick in das Feld der Option „Selbstmitleid aktiv“:

  1.  Zukunftsperspektive negativ:

    Wie schaut dein Leben in 1/5/10 Jahren aus, wenn du nicht loslässt? Willst du das so?

  2. Einsamkeit:

    Richtige Freunde begleiten dich auch durch schwere Zeiten. Doch irgendwann hast du alles vom Freundschaftskonto abgehoben und rutscht ins Minus. Irgendwann geben auch die besten Freunde auf.

  3. Energielosigkeit:

    Dir rinnt die Lebensenergie aus. Es lohnt sich fast nicht, am Morgen aufzustehen, was kann der Tag schon bringen?

  4. Vergebene Chancen:

    Wer immer auf den Boden schaut, sieht die Sonne nicht. Wer im Selbstmitleid versinkt, erkennt die Möglichkeiten des Lebens nicht. Die sind wohl nur für die anderen. Innere Einsicht hilft hier enorm.

  5. Handlungsunfähig:

    Dir sind die Hände gebunden. Schließlich ist das Leben unfair und es trifft immer dich. Somit kannst du beim besten Willen keine Selbstbestimmung und kein aktives Handeln einbringen. Am besten ist wohl, du machst gar nichts.
    So rutscht du in die passive Opferrolle und verlierst die Hoheit über dein Leben. Glaube mir, das willst du keinesfalls!

  6. Die Welt wird immer dunkler:

    Unsere Gedanken gestalten unsere Welt. Das hast du sicherlich schon mal gehört. Was heißt das? Wenn du Negatives erwartest und traurig und sauer durch die Welt rennst, wird genau das zu dir zurückkommen, was du ausstrahlst. Die Menschen werden dich in der Straßenbahn mit glanzlosen Augen anglotzen, der Chef meckert und in der Kantine bekommt die Kollegin das letzte Dessert – du gehst leer aus.

  7. Du holst keine Hilfe:

    Weil es ja sowieso immer dich trifft und die Welt böse und unfair ist, kommst du gar nicht auf die Idee, dies ändern zu können. Du analysierst nicht, wie es zu dieser Situation kam und überlegst dir keine Befreiungsschritte. Du kommst schon gar nicht auf die Idee, dir Hilfe zu suchen.

Wege aus dem Selbstmitleid

Du hast es satt, dem erfolgreichen Leben der anderen zuzuschauen, während du dahindarbst? Du erkennst, dass Selbstmitleid vielleicht eine Zeit lang angebracht war, dich aber nicht weiter bringt? Du willst dich verändern? Dein Leben verbessern?

Wunderbar! Diese 7 Tipps helfen dir dabei:

  1. Vom Kopf aufs Papier:

    Schreiben, schreiben, schreiben. Leere deinen Kopf von all dem Kram, bringe deine Emotionen aufs Papier. Das befreit unendlich. Wenn alles aufgeschrieben ist, fällt es dir leichter eine Strategie aus dem Dilemma zu finden.

  2. Selbstmitleid hoch drei:

    Stell dir vor, du stehst als Schauspieler/in auf einer Bühne deines Lebens. Jetzt ist die Szene Selbstmitleid dran. Genieße diese Szene, übertreibe, mach dich klein, jammere wie das letzte Weh. Schrei deinen Schmerz raus in die Welt, wenn das hilft.
    Übertreibe so sehr, bis du nicht anders kannst als zu lachen. Okay lächeln reicht aus.

  1. Lets talk about:

Solltest du lieber sprechen als schreiben oder auf der Bühne stehen, dann sprich. Dafür sind Freunde da. Oft ist eine neutrale Einschätzung von unbetroffenen Personen Augen öffnend.

Es kann gut sein, dass sich neue Türen öffnen und am Horizont tauchen neue Impulse und Handlungsoptionen auf.

  1. Let’s move:

    Selbstmitleid, Trauer über das eigene Unglück und verkrachte Sein lässt die Muskeln verspannen. Der Stress vergiftet deinen Körper und die Seele. Bewegung baut Stress ab. Die Produktion der Glückshormone Dopamin und Serotonin wird wieder aufgenommen.

Der Marathonlauf muss nicht dein Ziel sein. Radfahren oder gemächliches Spazierengehen reichen. Achte darauf, beim Spazierengehen nicht ins Grübeln zu verfallen. Musik oder Vorträge zu hören, sind eine gute Ablenkung.

  1. Wovon hält dich Selbstmitleid ab?

    Oft liegt hinter dem Selbstmitleid (Ich kann nicht, weil in meiner Kindheit xy passiert ist) noch etwas anderes: Angst.

    Was wäre, wenn du aufhören würdest, dir Geschichten darüber zu erzählen, warum dies und jenes nicht geht?

    Was wäre, würdest du in deine Größe und Handlungsfähigkeit kommen. Und zwar ohne Wenn und Aber, ohne Einschränkung?

    Macht dir diese Überlegung Angst? Dann bist du nicht alleine 🙂 Trotzdem: der Weg zu mehr Freude und mehr Erfolg ist lohnend – und er ist gehbar, in deinem Tempo auf deine Art. Schritt für Schritt kommst du weiter.

  2. Die Wunder des Lebens sehen:

    Über dein Unglück weißt du Bescheid. Über die positiven Seiten in deinem Leben auch? Mach dir bewusst, was alles gut läuft, erkenne deine positiven Seiten, sieh, was du hast. Gerne auch schriftlich. Das führt zu Dankbarkeit. Dem größten Motor für Glück und Erfolg.

  3. MindSet Arbeit:

    Gewonnen wird im Kopf – verloren auch. Innere Klarheit und mentale Stärke bringen dich zum nicht nur ans Ziel, sondern auch zu einer optimistischen Lebenseinstellung. Sollten deine Gedanken irgendwie immer um das Negative und erlebte Unrecht kreisen, dann braucht es für den Weg aus dieser Abwärtsspirale vielleicht eine helfende Hand.

Selbstmitleid umwandeln in Selbstmitgefühl:

Mit dir selbst mitzuleiden hilft dir nicht weiter.

Egal, was passiert ist.

Musst du vergessen, was dich belastet und bedrückt?

Nein, das geht auch gar nicht.

Das Mitleid zu Mitgefühl zu transformieren, lässt dich, das was war, annehmen, anerkennen, analysieren und Möglichkeiten entwickeln, wie du deinen Schmerz verarbeiten kannst.

Selbstmitgefühl anerkennt, dass auch du ein Mensch bist und daher Fehler und Schwächen hast. Selbstmitgefühl eröffnet dir die Möglichkeit des Handelns. Du verlässt die Opferrolle und kannst wieder Verantwortung für dein Leben übernehmen anstatt andere Menschen oder Ereignisse zu beschuldigen. Mit einem Wort: du findest wieder zurück in deine Power.

Es mag vielleicht ein bisschen Zeit in Anspruch nehmen, den inneren Kompass von Selbstmitleid und dem eigenen Jammern und Klagen auf Selbstmitgefühl und aktives Handeln umzustellen. Doch du wirst sehen, der Erfolg stellt sich ein. In kürzerer Zeit als du glaubst.

Dann geht es dir so wie meinem Kunden vom Anfang des Artikels: Die Welt wird heller, deine Umgebung freundlicher. Das Leben macht mehr Freude. Ich wünsche dir alles Gute dafür.

4 Kommentare
  1. Christine Schinner
    Christine Schinner sagte:

    Liebe Riccarda! Mit Interesse und Spannung habe ich den tollen Artikel gelesen. Ich neige zwar nicht generell zu Selbstmitleid, aber manchmal trifft es mich auch. Zum Glück bin ich aber ganz schnell wieder klar denkend. Vielen Dank jedenfalls für die Anleitung zum Selbstmitgefühl. Das ist sicher der beste Weg um vom Selbstmitleid weg zu kommen. Ganz liebe Grüße. Ich freue mich schon auf Deinen nächsten Artikel

  2. Riccarda
    Riccarda sagte:

    Liebe Christine, ein bissl Selbstmitleid hat jeder Mal, gehört zum Mensch-Sein dazu 🙂 Super, dass Du es erkennst und schnell wieder in Deiner wahren Größe bist. So können wir ein schöneres Leben führen – und darauf kommts ja an 🙂 Liebe Grüße Riccarda

  3. Karima
    Karima sagte:

    Liebe Riccarda.
    Schöner Beitrag von Dir zu einem wichtigen Thema
    Selbstmitleid ist ja eine ausgefeilte Form der Opferhaltung und diese hat einen langen Teil meines Lebens geprägt. Und Selbstmitleid wird ja auch so oft verwechselt mit Selbstmitgefühl. Letzteres setzt allerdings Selbstliebe voraus…das wiederum ist für viele ein schwieriger Weg,den ich gerne begleite.

  4. Petra
    Petra sagte:

    Liebe Riccarda,
    vielen Dank für diesen tollen Artikel über Selbstmittleid. Ich empfinde es genauso, wie du es beschreibst: ab und an eine Prise Selbstmitleid kann reinigend wirken. Bleiben wir jedoch darin verfangen, verpassen wir viele Gelegenheiten, zu lernen und weiter zu wachsen.
    Herzensgrüße
    Petra

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