Aufschieberitis bekämpfen: Die 9 besten Tipps

Aufschieberitis bekämpfen

Mist – schon wieder das Wochenziel verfehlt!

Das Video über Aufschieberitis hätte vergangene Woche online gehen sollen.

Andererseits: ein Video über Aufschieberitis muss wohl nicht pünktlich erscheinen.

Ehrlicherweise fällt es mir schwer, meinen eigenen Video-Redaktionsplan einzuhalten. Allzu leicht schiebt sich was zwischen mich und den Videodreh….

Wie entsteht Aufschieberitis?

Ich habe megaviel zu tun.

Neue Projekte entwickeln, für meine Kunden da sein, Weiterbildung, Familie.

Um Gründe, warum sich etwas nicht ausgeht bin ich nicht verlegen und doch – ich mag das nicht.

Ich will meine selbst gesetzten Fristen einhalten.

Doch ich nütze gleich die Gelegenheit, mich mit den Gründen der Aufschieberitis zu beschäftigen und vor allem, noch wichtiger: wie bekämpfe ich sie?

Reduziert auf das Wesentliche mache ich drei Gründe aus, um nicht zu Potte zu kommen:

  1. Es ist mir unangenehm, eigentlich habe ich Angst davor,
    Angst vor Kritik und Ablehnung. Ich kenne auch die Idee „Jedes Wort auf dieser Welt ist schon gesprochen, da braucht es meine nicht mehr.“ Hier macht mir mein effizientes Denken manches Mal einen Strich durch die Rechnung.
  2. Ich bin im Widerstand.
    Meine persönliche Buchhaltung ist zwar tipp-topp, aber ich kenne viele, die mit der Steuererklärung bis kurz vor Schluss warten. Einfach, weil sie keine Lust auf Buchhaltung haben und sich dem Steuersystem machtlos ausgeliefert fühlen. Wenn sie schon keine Möglichkeit zur Verweigerung haben, kosten sie zumindest ihren Widerstand aus – auch, wenn es schlussendlich nichts bringt.
  3. Die Aufgabe ist entweder zu groß und schwierig
    (ich sehe mich vor meinem inneren Auge im Kindergartenalter vor einem Berg von Kartoffelschmarren sitzen …) oder zu langweilig, es fehlt die Freude daran.

25% aller Menschen sind der Aufschieberitis irgendwie aus irgendeinem Grunde hilflos ausgeliefert. Bei Studenten beträgt der Anteil angeblich sogar 70%.

Manche brauchen einfach den Kitzel der letzten Minute. Wenn Du meinst, unter Druck am besten zu arbeiten, gehörst du wohl zu diesen Adrenalin-Junkies.

Das Kernproblem vieler Aufschieber:

Sie haben Probleme, Prioritäten zu setzen. So landen größere Projekte gerne auf der langen Bank. Das wiederum führt zu einem latenten Minderwertigkeitsgefühl (Mist, schon wieder geht nix weiter). Minderwertigkeitsgefühl ist der beste Nährboden für ein schlechtes Gewissen. Zu guter Letzt: Wer Erfolg mit Selbstwert gleichsetzt, dreht sich schon in der Abwärtsspirale.

Der Mensch ist nun mal so konzipiert, dass wir gerne sofortige Erfolgserlebnisse haben. Ist die Aufgabe jedoch zu groß, wird das mit der Instant-Belohnung nichts. Die Belohnung scheint so weit weg zu sein wie der Mond von der Erde.

So unterschiedlich wie wir Menschen sind, so unterschiedlich sind unsere Strategien, um uns selbst hinters Licht zu führen.

  • 1. Der Aufräumer:

    Um ein wirklich großes Projekt angehen zu können, braucht es einen leeren Schreibtisch. Und weil du schon dabei bist, ordnest du gleich alle Papierstapel in die passenden Ordner. Das ist jetzt besonders wichtig.

    Nicht zu vergessen, den Geschirrspüler auszuräumen, damit die Energie gut fließen kann. Boden aufwischen kann auch nicht verkehrt sein.

    Die Ausrede:
    „Ich muss noch schnell ….“

    Hintergrund:
    Du weißt nicht, wo du anfangen sollst, also räumst du mal auf und hoffst, dass dein Unterbewusstsein zwischenzeitlich eine Idee bekommt.

  • 2. Die Panik-Queen:

    Die Deadline ist weit weg, also chill mal.
    Upps, jetzt ist die Deadline da?
    Kein Problem: Unter Druck arbeitet die Panik-Queen am besten. Doch … irgendwann kann diese Strategie schief gehen – und zwar gewaltig.

    Die Ausrede:
    „Ich hab noch so viel Zeit.“

    Hintergrund:
    schlechtes Zeitmanagement, kein Setzen von Prioritäten

  • 3. Der Listen-Liebhaber:

    Je größer das Projekt, desto wichtiger die Planung.

    Doch wer sich zu sehr in der Theorie verfängt und es verabsäumt, seine Planung rechtzeitig dem Realitäts-Check zu unterziehen, kommt mit seinem Projekt leicht in Rückstand.

    Die Ausrede:
    „Ich brauch noch ein paar Infos.“

    Hintergrund:
    Übertriebener Perfektionismus, Kontrollzwang

  • 4. Der Multitasking & Busyness-Star:

    Du liebst es, mehrere Projekte gleichzeitig voranzutreiben? Das prickelnde, lebendige Gefühl ist durch nichts zu ersetzen? Super, du hast immer alle Hände voll zu tun und bist eine taffe Geschäftsfrau. Doch leider verschwinden Projekte immer wieder kurz vor Fertigstellung in der Schublade…irgendwie wird nie etwas wirklich fertig, du kommst nicht in die Routine, nicht in den Fluss.
    Ausrede:
    „Ich hab grad noch eine super Idee.“

    Hintergrund:
    Oft die Angst vor dem Versagen. Oder die Angst vor dem Erfolg.

  • 5. Digitale Freaks:

    Auf Facebook noch schnell einen Kommentar abgeben, zwischendurch einen Beitrag schreiben, die Reichweite wird es danken. Klarerweise noch E-Mail Check, vielleicht hat die Kundin geantwortet oder Hollywood schickt das ersehnte Angebot. Das Video ist auch superinteressant, eh nur fünf Minuten lang.

    Muss ich noch mehr sagen J

    Ausrede:
    „Eh nur fünf Minuten, ich bin ganz schnell. Dann kann ich mich in Ruhe meinem Projekt widmen.“

    Hintergrund:
    Suchtverhalten, sofortige Belohnung (Likes, Kommentare etc.), Konzentrationsprobleme

Die Frage aller Fragen ist: Wie kannst du Aufschieberitis bekämpfen?

Die 9 besten Tipps, um Aufschieberitis zu bekämpfen:

#1: Achte auf deine Gedanken:

Deine innere Stimme und deine Gedanken bestimmen deine Wirklichkeit. Was erzählst du dir über deine Aufgaben? Musst du, fürchtest du dich, bist du im Widerstand, willst einfach nicht? Je negativer deine Einstellung, desto länger die Bank auf der die Aufgaben landen.

#2: Setze ein Zeitlimit:

Kennst du das Parkinson’sche Gesetz? Es besagt, dass jede Aufgabe genauso lange braucht, wie es Zeit dafür gibt. Kein Zeitlimit bedeutet, dass sich die Aufgaben ewig dahinziehen und deutlich länger brauchen als nötig. Wunderst du dich manchmal wie schnell und effizient du unter Zeitdruck arbeiten kannst?

#3: Setze Prioritäten:

Was ist wirklich wichtig? Unterscheide das Wichtige vom Dringenden. Und stelle ein Projekt, das sich über Monate nicht entwickelt, mutig in Frage. Vielleicht darf es in Würde sterben?

#4: Aus Groß mach klein:

Jedes Projekt lässt sich in kleinere Arbeitsschritte zerlegen. Sollten die Arbeitsschritte nicht aufeinander aufbauen, fange mit dem an, was dir am leichtesten fällt. Einfach anfangen, einfach tun.

#5: Plane mit Herz und Verstand:

Die meisten Menschen überschätzen, was sie an einem Tag erledigen können. Und unterschätzen das, was in einem Jahr möglich ist. Plane realistisch und berücksichtige, dass es immer wieder Hindernisse geben kann.

Als Unterstützung möge dir meine beliebte Meditation „Plane mit Herz und Verstand“ dienen. Sie hilft dir, deine Wochenpläne aus deinem Herzen heraus zu planen. Hier kostenlos anfordern.

#6: Lobe dich selbst:

„Die Wahrheit ist den Menschen zumutbar.“ (Ingeborg Bachmann, österr. Schriftstellerin). Wenn du etwas toll erledigt hast, dann feiere und lobe dich dafür. Feiere dich und die anderen werden mitfeiern 🙂

#7: Wann bist du am leistungsfähigsten?

Berücksichtige deinen Biorhythmus. Es gibt Lerchen und Eulen. Lerchen sind Menschen, die gleich morgens topfit sind, Eulen bevorzugen Nachtarbeit. Wenn du deine Hochphasen kennst, bist du die/der Meister/in deiner Kreativität und Produktivität.

#8: Musik pusht dich nach oben:

Es gibt spezielle Musik, die die rechte und die linke Gehirnhälfte verbindet, was wiederum deine Kreativität explodieren lässt. Hier findest du eine Auswahl.

#9: Sage Nein:

Kommen die lieben Kollegen zu dir, wenn sie nicht mehr weiter wissen? Wenn die Zeit knapp wird? Und du hilfst gerne? Das ist löblich. Doch es kostet deine Zeit. Deine eigenen Projekte bleiben inzwischen liegen.

Kennst du das Problem der Aufschieberitis? Wie kämpfst du dagegen an? Was funktioniert bei dir gut? Hinterlasse einen Kommentar.

7 Kommentare
  1. Master Procastinator
    Master Procastinator sagte:

    Das Thema betrifft wohl jeden von uns irgendwann.
    Hilfreiche Anregungen, also Leute: “Los, macht was!” statt Kommentare lesen 😉

  2. Alexandra Reis
    Alexandra Reis sagte:

    liebe riccarda,
    die 20-minuten-regel (zeitlimit) hilft mir immer wieder und begleitet mich schon ein paar jahre. danke, für deine interessante übersicht, vorallem das foto erinnert mich an “mein wahnsinns-erbe”, ich räume jetzt schon über 2 jahre auf und da war große “überforderung” und viel schwindel anfangs, was sich langsam verändert und nun übersichtlicher ist. spannend ist auch “5-4-3-2-1-0” von mel robbins.
    lg alexandra

  3. Bettina Kawerau
    Bettina Kawerau sagte:

    Vielen Dank für diese tollen Tipps. Ich finde gerade, wenn man von zu Hause aus arbeitet ist Aufschieberitis ein Riesenthema. Dabei gefällt mir der Tipp sehr, sich auch mal selbst zu loben. Das kommt im Alltag doch immer zu kurz. Dein Artikel wird mir in der Zukunft sehr helfen.

  4. Birte
    Birte sagte:

    Danke für diesen interessanten Beitrag. Ja, die Aufschieberitis ist tatsächlich weit verbreitet… (Und beim Thema Steuererklärung habe ich mich ein wenig ertappt gefühlt 😉 )
    Die Taktik, Aufgaben, Projekte oder Ziele in kleine Schritte zu unterteilen, habe ich schon vor längerer Zeit für mich als sehr hilfreich erkannt und empfehle sie auch gerne weiter.

  5. Cora
    Cora sagte:

    Keller ist aufgeräumt, Speicher auch……. keine Bügelwäsche….immer schön den Schreibtisch mit dem Ewigkeitsprojekt meiden 🙂
    Sehr gut auf den Punkt gebracht und auch die Gründe, warum es so ist.
    Danke Riccarda und liebe Grüße

  6. Andreas
    Andreas sagte:

    Hallo Riccarda, klasse Artikel! Das Thema kenne ich gut. Ich kann auch verschiedene Gründe sehen, warum bei mir so etwas passiert. Der erste ist definitiv eine versteckte Angst. Der Gedanke, dass ich eine Aufgabe nicht können könnte, oder mir Unangenehmes dabei wiederfahren könnte. (dazu gehört auch der jährliche Zahnarztbesuch zur Kontrolle… den könnte ich ewig aufschieben… ) Sobald ich mich überwinde und es einfach tue, merke ich, dass die Angst unbegründet war.
    Ein anderer Grund ist, dass ich das Gefühl habe, nicht richtig zu wissen, wie ich etwas sinnvoll, konstruktiv und effektiv angehen kann. Was also der beste Weg ist zu einem Ziel.
    Und ich glaube, manchmal ist es auch die Selbstsabotage: etwas vermeiden wollen, was mich nach vorne bringen könnte, was mein Leben positiv verändern könnte. Blöd, aber ich vermute, das haben mehr als gedacht… Lieber beim alten bleiben und es bequem haben, ist glaube ich bei vielen der Grundtenor.

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