Angst: Sie erkennen und loslassen

Angst Riccarda Larcher
Du hörst lieber? Bitte sehr!

Angst. Jeder kennt sie. Manche sind mir ihr vertrauter, manche haben eine sachliche Beziehung mit ihr.

Angst lässt dein Herz pochen, sendet Adrenalin und Cortisol in deinen Körper und bringt dich – je nach Veranlagung – in den Flucht-Kampf-oder Tot-stell Modus.

Natürlich rennst du heutzutage nicht mehr fluchtartig weg, wenn dich Angst übermannt. Du arbeitest um deine Angst herum und findest zivilisiert Gründe, warum etwas nicht geht.

Diese Gründe hängen wie Bleigewichte an dir und lassen dich z.B. tatsächlich glauben, dass du keinesfalls vor deinen Arbeitskollegen eine kleine Rede halten kannst.

Sie motivieren dich, in die Verteidigung zu gehen, nur weil dich jemand schief anschaut.

Oder du ziehst den Kopf ein, weil du einen Fehler gemacht hast und glaubst er könnte dich denselbigen kosten.

Die Angst in meinem Kopf

Sinnvolle Angst:

Dass Angst per se nichts Schlechtes ist, erkennst du, wenn du auf einem Berg stehst und es knapp unter dir 100 Meter abwärts geht. Abstand vom Abgrund zu halten ist klug. Genauso ist es klug, bei strömendem Regen vom Gas runterzugehen.

Ist diese sinnvolle Angst überhaupt Angst? Nein, es ist Vorsicht.

Die Vorsicht, die dich dein und das Leben anderer schützen lässt.

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Aber wann ist Vorsicht angebracht und wann sie übertrieben?

Ein klassischer Fall von Übertreibung sind u.a. die vielen Verkehrsschilder, die die Sicherheit im Verkehr gewährleisten sollen. Sie führen zu erhöhter Unfallgefahr, da die Fahrer überfordert sind.

Fehlinterpretierte Angst:

Wenn ich Vorträge halte, pocht mein Herz, bevor ich auf die Bühne gehe. Früher dachte ich, es sei  Lampenfieber. Die Scheu auf der Bühne zu stehen, die mich zu einer umfangreichen Vorbereitung motiviert und mich die ersten ein zwei Sätze nach meiner Stimme ringen lässt.

Doch weit gefehlt: Es ist Aufregung. Aufregung ist keine Angst. Es ist die Freude und auch die Anspannung jetzt gleich vor vielen Leuten über ein mir wichtiges Thema sprechen zu dürfen. Die Begeisterung “meines” in die Welt tragen zu dürfen.

Also das Gegenteil von Angst.

Wo glaubst du Angst zu haben? Ist es wirklich Angst oder nicht doch eher Freude, Begeisterung und Aufregung? Erlaube dir wirklich ganz tief in diese Frage einzutauchen, es könnte sich verdammt lohnen.

Die Angst zu versagen

Entscheidungen zu treffen, macht viele Menschen nervös. Dich auch?

Die größten Entscheidungsängste:

  • Die Angst vor Veränderung:
    Du weißt nicht genau, was hinter der Entscheidung auf dich lauert. Wird es besser? Entwickelt sich dein Leben wunschgemäß oder geht es komplett schief und du wirst deine Entscheidung lebenslänglich bereuen?

    Ein Klient vor kurzem dazu: „Ich weiß, dass es jetzt Scheiße ist. Aber diese Scheiße kenne ich, die bin ich gewohnt, die habe ich die letzten Jahre ausgehalten. Ich weiß nicht, ob ich neue Entscheidungen treffen will, vielleicht schaffe ich es nicht. Das, was ich jetzt habe, kenne ich wenigstens.“

    Hier keine Entscheidung zur Veränderung zu treffen, heißt ewig in diesem Scheißhaufen sitzen zu bleiben (sorry, für meine Ausdrucksweise). Diese Nicht-Entscheidung kann der Klient natürlich treffen, es ist sein Leben.

Was jedoch ist der Preis dafür?
Sein Leben wird keinesfalls besser, er ist unglücklich und frustriert und sein Selbstwert rast bergab wie die Schilegende Hermann Maier die Streif in Kitzbühel.

  • Die Angst vor Fehlentscheidungen:
    Eines vorweg: Ob eine Entscheidung wirklich richtig war, weißt du meist erst nachher. Es braucht also eine gewisse Menge an Mut, um eine Entscheidung, die über „rotes oder blaues Auto“ hinausgeht zu treffen. (Und diese Frage kann schon schwer genug sein.)

Und doch – Forscher zeigen: wir überschätzen die Unabänderlichkeit von Entscheidungen.

  • Falsches Handy gekauft?
  • Falschen Urlaub gebucht?
  • Falschem Club beigetreten?
  • Falsche Partei gewählt?

Solche Dinge passieren. Suche den Fehler, der dich zur falschen Entscheidung geführt hat und vermeide ihn in Zukunft. Findest du den Fehler nicht, dann ist es auch gut. Damals warst du sicher, dass die Entscheidung richtig ist, also richte deine Aufmerksamkeit in die Zukunft und nicht nach hinten.

Was ist mit irreversiblen Entscheidungen?

Wenige Entscheidungen sind nicht mehr umkehrbar wie z.B. die Entscheidung für ein Kind. Es ist zwar ein großes gesellschaftliches Tabu, was nichts daran ändert: Es gibt Menschen, die ihre Elternschaft bereuen.

“Man hat nur Angst, wenn man mit sich selbst nicht einig ist.”

Die Entscheidung ein gewisses Studium nicht zu absolvieren, ist ab einem gewissen Zeitpunkt im Leben nicht mehr sinnvoll zu verändern. „Ach hätte ich doch xy studiert, dann wäre ich heute ….“ „Hätte ich damals gewusst, dann …“

Es gibt eine Menge Entscheidungen, die dein Leben in eine Richtung gedreht haben, die du heute anders treffen würdest.

Unabänderliche Entscheidungen im Nachhinein zu bereuen, hilft dir nicht. Atme durch, lasse das Bedauern los und schau, was du draus machen kannst. Diese Sicht der Dinge braucht Mut und Pragmatismus. Nach meiner jahrelangen Erfahrungen ist es jedoch das Einzige, was Sinn macht:

Die Amerikaner kennen das Sprichwort:

„Gibt dir das Leben Zitronen, mach Limonade draus.“

Mit der Angst umgehen

  1. Ist es wirklich Angst?Bist du sicher, dass du Angst hast?
    Oder ist es Aufregung, Anregung, Anspannung? Das ist ein großer Unterschied.

    Egal, ob Angst oder Aufregung: meine Geheimwaffe ist Atmen, richtig tief einatmen und tief wieder ausatmen. Mehrmals. Du wirst sehen, es wirkt Wunder.

  1. Annehmen, was ist:
    Angst wegzudrücken funktioniert nicht. Angst ist ein Gefühl, das sich nicht durch Fakten beeinflussen lässt. Du hast Flugangst? Dann überzeugt es dich nicht, dass das Flugzeug das sicherste Verkehrsmittel ist, deine Furcht bleibt bestehen.

    Wenn du sie nun wegdrückst, unterdrückst, beiseiteschiebst, ist sie dann weg? Nein, in einem unbeobachteten Augenblick, wenn du vielleicht sogar glaubst, sie besiegt zu haben, dann wird sie ums Eck kommen und dir ins Gesicht schreien.

Das Einzige, was wirklich hilft, ist, sich ihr zu stellen. Sie anzuschauen, anzunehmen, zuzugeben, dass sie da ist und durch sie hindurchzugehen. Diese heiklen Dinge funktionieren mit Begleitung soviel besser. Lass uns gerne drüber reden.

  1. Entscheide dich, loszulassen:
    Dieser Punkt ist nicht immer einfach. Zuerst annehmen, dann loslassen 🙂 Hier wirst du vom Kosmos geprüft, ob du deine Angst wirklich loslassen willst. Sie hat dir sicherlich irgendwann gedient – und nun brauchst du sie nicht mehr.

    In Wirklichkeit will nicht jeder seine Angst loslassen: Ich habe eine ausgeprägte Schlangenphobie. Nicht einmal Bilder von Schlangen kann ich betrachten. Und wenn mir beim Radfahren im Wald eine Blindschleiche (für mich auch Schlange) oder eine Ringelnatter begegnet, dann hört das die ganze Umgebung.

    Gott sei Dank lebe ich in einem Land, indem es wenige Schlangen gibt. Ich stelle mich daher meiner Angst vor Schlangen nicht, denn das würde mich kurzfristig sehr in Panik bringen, das will ich vermeiden. Ich bin also nicht bereit, alles zu tun, um die Angst loszulassen.

Ich persönlich bin der Meinung, dass Angst sehr oft nicht Angst ist. Und wenn doch, dann haben wir eben Angst, auch das darf sein. Angst ist eine Emotion, die wir hier auf Erden erfahren dürfen, sollen und offensichtlich auch wollen.

Und was ist schöner als das Gefühl, die Angst überwunden zu haben? Wieder einen Schritt mehr in unser wahres Selbst gegangen zu sein? Und wieder mehr zu unserer besten Version von uns selbst zu wachsen? Daher: Angst kann manchmal ein ungeschliffener Rohdiamant sein – wenn du hinschauen magst.

2 Kommentare
  1. Christine Schinner
    Christine Schinner sagte:

    Liebe Riccarda,
    vielen Dank für diesen Artikel der mir sicher weiter hilft. Ich habe jetzt begriffen dass ich in manchen Situationen Angst vor dem Versagen habe doch jetzt gehe ich es an das zu ändern und ich bin überzeugt davon dass es mir gelingt.
    Ich wünsche dir ein wunderschönes Pfingswochenende. Liebe Grüße
    Christine

  2. Riccarda
    Riccarda sagte:

    Liebe Christine, wer ein Ziel hat, kann auch drauf lossteuern. Ich bin auch sicher, dass die Angst vor dem Versagen bald der Vergangenheit angehört. lg Riccarda

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